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Die Wurzeln lang ziehen

März 2023

No. 19

Die Wurzeln lang ziehen

Eine pontische Spurensuche nach der Kleinasiatischen Katastrophe
Mit einer historischen Einordnung von Mirko Heinemann
Essay und Lyrik
Aus dem Griechischen übertragen von Doris Wille und Birgit Hildebrand

OT:

ET: März 2023

Seiten: 192

Ausstattung: HC, gebunden, Lesebändchen, bedruckter Vorsatz

ISBN: 978-3-949558-11-5

Preis: € 24,00 [D] / € 24,70 [A]

„Thessaloniki ist die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Meine Sprache ist Griechisch. Meine Mutter und ihre Familie, in deren Schoß ich gedieh, gehört zu den von der Südküste des Schwarzen Meeres Geflüchteten, besser gesagt, Vertriebenen. Diese Region heißt auf Griechisch ‚Pontos‘. Der Begriff ‚Flüchtling‘ war in Griechenland ab den 1920er Jahren und über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg gleichbedeutend mit ‚Kleinasiate‘ und ‚Pontosgrieche‘. Wenig von diesen Geschehnissen ist im europäischen Allgemeinwissen verankert.“

So beginnt Maria Topalis biografischer Essay, in dem sie sich auf assoziative und um 30 Gedichte ergänzte Weise der Geschichte ihrer Familie nähert. Eine Familiengeschichte, in der sich die Makro-Geschichte, die „Kleinasiatische Katastrophe“ spiegelt. Unter diesem Einschnitt, Höhepunkt war der Brand von Smyrna (von den türkischen Truppen in Brand gesteckt, in den ersten Tagen 40.000 Einwohner ermordet), versteht man vor allem den erzwungenen „Bevölkerungsaustausch“ aus dem Jahr 1922, mit dem Massaker, Vergewaltigungen, grausame Arbeitslager, Todesmärsche einhergingen: Die Vertreibung von rund 1,2 Millionen Griechen aus ihrer seit Jahrtausenden besiedelten Heimat ( heute Türkei) und 400.000 Muslimen oder „Türken“ aus dem heutigen Griechenland; im Januar 1923 in Lausanne vereinbart, im Juli in einem Friedensvertrag besiegelt. Eine nationalistische Maßnahme, aber streng nach Religionszugehörigkeit durchgeführt: „ein Sündenfall der Menschheit. Eine Vertreibung mit bürokratischem Antlitz, die Millionen Menschen in die Heimatlosigkeit entließ. Das war selbst zu damaliger Zeit, unter dem Eindruck eines blutigen und verlustreichen Weltkriegs, so ungeheuerlich, dass niemand als Ideengeber dieses 'Bevölkerungsaustauschs' benannt werden wollte.“ (Mirko Heinemann in seiner begleitenden historischen Einordnung)

***

Der Titel Die Wurzeln lang ziehen ist eine nur ungefähre Übersetzung eines pontischen Ausdrucks: „an-der-Wurzel-ziehen“ … was so viel bedeutet wie „entwurzeln“, zugleich aber dann im LANGZIEHEN die Möglichkeit, diese Wurzeln mit sich zu nehmen und anderorts in den Boden zu versenken.

Maria Topalis Familie stammt aus einem der Santa-Dörfer im Pontischen Gebirge an der südlichen Schwarzmeerküste nahe Trapezunt (heute: Trabzon), wo bis 1914 rund 700.000 Pontier lebten und ihr eigenes Griechisch, das Pontiaka sprachen. Besonders in diesen Pontos-Griechen hat die Katastrophe von 1922 ein kollektives Trauma hinterlassen, das über Generationen hinweg zum Verstummen führte. Das versucht Topali aufzubrechen, „Die Wurzeln lang ziehen“ heißt hier: sich wegschreiben vom unbehausten Ort des Verschweigens. Sie stellt ihrer Mutter, Erbin der Geheimnisse wiederum ihrer Mutter, unbequeme Fragen, tastet sich vorwärts: Das nie schwarz-weiß erscheinende Zeugnis will die falsche Scham besiegen, will Bekenntnis sein.

Topali bedient sich unterschiedlicher historischer Quellen und lässt stets – das ist das große Verdienst dieses Memoirs – auch die Chancen des Neuanfangs auf griechischem Boden aufleuchten. Das betrifft besonders die Veränderung der Frauenrolle, aber auch die Bedeutung der pontischen Kultur für die heute „griechisch“ genannte: die Speisen, die Tänze, verschiedenes Handwerk. Letztlich geht es ihr um ein Miteinander, wie es über Jahrtausende möglich war. Und es geht ihr darum, eine Sprache zu finden, die Verdrängtes, Unbewusstes sagbar macht, an die Oberfläche holt; die Widersprüche, Vielseitiges bestehen lässt, zum Ausdruck bringt. Dies verfolgt sie mittels ihrer Genregrenzen sprengenden literarischen Mischform, ganz besonders mittels ihrer Gedichte: die 28 Gedichte und Rhapsodien zeigen eine Essenz ihrer Suche. Eine Suche, die auch durch verstreute poetisch-poetologischen Reflexionen im Essay umrissen, dadurch begleitet wird.

Mehr zu Maria Topali
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Pressestimmen

CREDO

(hier als Wiegenlied)

für meine Mädchen

Sind es die Hände, ihre Füße?
Womöglich ihre Stimme?
Ihr Blick bestimmt nicht. Geschäftig war sie, stets gebückt.
Die Hände rot, die Füße rissig
à la Wallace Stevens in „Der Kaiser der Eiskrem“
wie sich ihr Sterben hinzog zwischen Tod und Leben
es lässt mich ihrer jetzt gedenken:
Sie sagte immer „damals, als wir aus unserer Heimat
hierher geflüchtet waren, fegten die hiesigen Frauen
mit ein und demselben Besen Tische und Böden“.
In dieser knappen Nacherzählung (wohl aufgeschnappt von
ihrer Mutter, denn hier geboren war auch sie)
verbirgt sich tief ein Credo
wie ihre Fersen mit Hornhaut überzogen
gerötet wie die Haut der Hände
gesammelt wie ihr Blick
stets auf dem Sprung, Koffer zu packen für woandershin.

 

Blitzblank das Haus, der Hof gefegt, die Fliesen tausendfach geschrubbt,
im Zuber gewaschene Männerfüße, auf einem Handtuch Nägelreste
(und immer sah ich ihren Nacken, wenn sie sich bückte)
sie sagte „so was von zäh, durch unsern Menschenschlag käme
die ganze Welt noch mal zustande“, „die Kleider zwar geflickt,
doch ordentlich und sauber“
rastlos gesenkt der Blick, schwielige Sohlen, gerissene Nägel,
Strapazen in der Flut von Mond und Dasein
egal, an welche Pore meiner Haut du rührst, an welche Sehne,
du hörst und siehst dann dieses Credo. Von Anfang an trag ich ´s in mir.

Eines Morgens, alle waren sie schon weg und
ich zu Haus mit ihren Überbleibseln auf den Betten
im Bad und in der Küche – zum Glück gab´s keinen Garten! –
da griff ich nach dem Handstaubsauger
an der Wand, den für die Krümel
den selbstaufladenden, mit dem man Kleinigkeiten fortschafft
ohne sich Schultern, Handgelenke und das Kreuz zu ruinieren

und saugte alles weg auf einen Schlag.
Ich war nicht in der Heimat, wohlgemerkt.
Ihr Süßen, Zeit zum Schlafen, es ist schon spät.

Übertragen aus dem Griechischen von Andrea Schellinger

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