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Die lustlosen Touristen

März
2020

Edition Converso No. 9

Katixa Agirre

Die lustlosen Touristen

aus dem Spanischen von Silke Kleemann
Für die vorliegende Übersetzung erhielt Silke Kleemann das Übersetzerstipendium des Freistaats Bayern 2020.

OT: baskisches Original Atertu Arte Itxaron bei Elkar, Vitoria-Gasteiz, 2015. 1. Aufl.
ins Spanische Los turistas desganados übertragen von der Autorin selbst bei Pre-Textos, Valencia 2017;
der Roman wurde 2015 mit dem Premio 111 Akademia ausgezeichnet.

ET: 11. März 2021
Seitenzahl: ca. 240 Seiten
Ausstattung: Hardcover, gebunden, mit bedrucktem Vorsatz, Lesebändchenr
ISBN: 978-3-9822252-1-0
Preis: 23,- € [23,70 € A]

Die Werke dieser großartigen baskischen Autorin sind bereits in zehn Sprachen übersetzt. Wir sind deshalb besonders stolz und beglückt, sie mit diesem wunderbar orchestrierten Roman endlich dem deutschen Publikum näherzubringen.

Aus einer sehr klugen, präzisen und weiblichen Perspektive verhandelt er vom Knallpunkt des Geschehens – die Terroranschläge auf die Metro in Madrid, 11. März 2004 – das große Thema dieser Jahre: Heimat und Zugehörigkeit.

Zum Buch:
Die zwei Hauptfiguren, Ulia, die Baskin und Musikwissenschaftlerin, Gustavo, der spanische Jurist, Genussmensch und BMW-Liebhaber, begegnen sich just auf einer Demo nach dem Terroranschlag 2004 in Madrid; der zuerst der ETA in die Schuhe geschoben wurde.

Sie werden ein Paar, heiraten. Auf einer Fahrt ins Baskenland, die sehr launig, mit viel ironischem Schlagabtausch auf Nebenstraßen beginnt, will Ulia ihrem geliebten Gustavo, dem zukünftigen Dickerchen, endlich ihre Heimat in aller Ausführlichkeit zeigen.

Worauf sie aber selbst – hier kommt in einem zweiten Erzählstrang Mariluz, die Mutter und ihre teils geheim gehaltene Vergangenheit ins Spiel – gestoßen wird, ist etwas, das ihr Leben Knall auf Fall in ein neues Licht rückt; und sie bestätigt in Ihrem seit Jahren verfolgten Interesse für den Frieden: Einer inneren Unruhe, einem „Ruf“ folgend setzt sie sich in ihrer Doktorarbeit mit der pazifistischen Ausrichtung im Werk des britischen Komponisten Benjamin Britten auseinander, die ihn während des Zweiten Weltkriegs ins Exil in die USA führten; interessante Episoden aus seinem Leben und dem Künstlerzirkel um ihn werden als Nebenschauplätze eingeschoben, reichern die Erzählung an. In der Auseinandersetzung mit ihrer baskischen Vergangenheit kommen nur sehr authentisch erzählt auch ganz intime schmerzvolle Ereignisse ans Licht.

Trotz der dicht geschildeten heftigen Themen Madrid-Anschläge, ETA, Vaterrolle, Britten-Pazifismus besitzt der Roman die Leichtigkeit einer Road-Novel. Die Erzählstimme ist sehr sympathisch vor allem eines besonderen femininen Sarkasmus wegen. Was leise beginnt, offenbart sich zum Ende hin als raffinierte Dramaturgie. Ein absoluter Genuss!

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