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CREDO

von

Maria Topali

(hier als Wiegenlied)
für meine Mädchen

Sind es die Hände, ihre Füße?
Womöglich ihre Stimme?
Ihr Blick bestimmt nicht. Geschäftig war sie, stets gebückt.
Die Hände rot, die Füße rissig
à la Wallace Stevens in »Der Kaiser der Eiskrem«
wie sich ihr Sterben hinzog zwischen Tod und Leben
es lässt mich ihrer jetzt gedenken:
Sie sagte immer »damals, als wir aus unserer Heimat
hierher geflüchtet waren, fegten die hiesigen Frauen
mit ein und demselben Besen Tische und Böden«.
In dieser knappen Nacherzählung (wohl aufgeschnappt von
ihrer Mutter, denn hier geboren war auch sie)
verbirgt sich tief ein Credo
wie ihre Fersen mit Hornhaut überzogen
gerötet wie die Haut der Hände
gesammelt wie ihr Blick
stets auf dem Sprung, Koffer zu packen für woandershin.

Blitzblank das Haus, der Hof gefegt, die Fliesen tausendfach geschrubbt,
im Zuber gewaschene Männerfüße, auf einem Handtuch Nägelreste
(und immer sah ich ihren Nacken, wenn sie sich bückte)
sie sagte »so was von zäh, durch unsern Menschenschlag käme
die ganze Welt noch mal zustande«, »die Kleider zwar geflickt,
doch ordentlich und sauber«
rastlos gesenkt der Blick, schwielige Sohlen, gerissene Nägel,
Strapazen in der Flut von Mond und Dasein
egal, an welche Pore meiner Haut du rührst, an welche Sehne,
du hörst und siehst dann dieses Credo. Von Anfang an trag ich ´s in mir.

Eines Morgens, alle waren sie schon weg und
ich zu Haus mit ihren Überbleibseln auf den Betten
im Bad und in der Küche – zum Glück gab´s keinen Garten! –
da griff ich nach dem Handstaubsauger
an der Wand, den für die Krümel
den selbstaufladenden, mit dem man Kleinigkeiten fortschafft
ohne sich Schultern, Handgelenke und das Kreuz zu ruinieren

und saugte alles weg auf einen Schlag.
Ich war nicht in der Heimat, wohlgemerkt.
Ihr Süßen, Zeit zum Schlafen, es ist schon spät.

 

Aus dem Griechischen von Andrea Schellinger

Maria Topali , geboren 1964 in Thessaloniki, studierte Jura in Athen und promovierte in Frankfurt a. M. als Stipendiatin der Daimler-Benz-Stiftung. Seit 1996 ist sie als Publizistin und Kritikerin für eine bekannte griechische Lyrik-Zeitschrift und die Wochenendausgabe der Zeitung »Kathimerini« tätig. Sie übersetzt Prosa, Lyrik und Sachtexte aus dem Deutschen (u. a. Bertolt Brecht, Peter Huchel, Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke, Jakob Burckhardt, Stefan Zweig, Max Frisch, Axel Honneth, Jürgen Kocka, Aleida Assmann). Bisher hat sie vier Gedichtbände und zwei Libretti für Musiktheater publiziert. Ihr letzter Band, zu dem auch das Gedicht Credo gehört, wurde für den Lyrikpreis 2018 der online-Literaturzeitschrift O Anagnostis nominiert. In der Edition Romiosini der FU Berlin erschien 2018 der von ihr herausgegebene Band »Dichtung mit Biss. Griechische Lyrik nach 2000« (Übersetzungen: Torsten Israel). Das europäische Gemeinschaftsgedicht »Kolonien der Strömung« von Klara Hurkova, Maria Topali und Monika Littau, in Berlin 2018 mit dem Preis für politische Lyrik ausgezeichnet, erschien in der Anthologie »All over Heimat« (Engels, Kade, Trelenberg (Hg.), Stories and Friends Verlag, 2019). Gedichte von ihr sind ins Deutsche, Englische, Italienische und Slowenische übersetzt. Maria Topali arbeitet im Nationalen Zentrum für Sozialforschung in Athen und ist Mutter zweier Kinder.

 

ZU CREDO 
Maria Topalis Familie, Teil der verfolgten nichtmuslimischen Bevölkerung des Osmanischen Reichs, musste vor 100 Jahren von der Schwarzmeerküste nach Griechenland flüchten. Die sogenannten Pontos-Griechen, in der dortigen »Heimat« seit den antiken griechischen Kolonisationen ansässig, ließen sich danach hauptsächlich im nordgriechischen Makedonien nieder. Das Selbstverständnis und der Stolz pontischer Frauen, Hüterinnen einer reinlichen, im Detail geregelten Häuslichkeit und der Fürsorge für die nachwachsende und die alternde Generation, wurden in die neue Heimat mitgebracht. Über dieses identitätsstiftende Moment, das wie ein Glaubensbekenntnis wirkte, verurteilten sich die Frauen gleichsam selbst dazu, ihre Lebensspanne harter Arbeit zu widmen. Maria Topalis Gedicht CREDO holt eine dieser Frauen ins eigene und kollektive Gedächtnis zurück, gedenkt aber auch der Schmerzen und Strapazen dieser Existenzform. Zärtlich und respektvoll zerlegt sie den Mythos der selbstaufopfernden Tüchtigkeit; diese wurde im Lauf von Jahrzehnten schrittweise abgelöst von Bildungsoptionen und gesellschaftlicher Teilhabe jenseits traditioneller Geschlechterrollen. Eine befreiende Rolle spielen dabei auch heutige technische Mittel und Werkzeuge der Haushaltsführung. Kann dies heute noch eine Botschaft sein für all die Frauen mit ähnlichen Erfahrungen? Neben dem Schmerz des Heimatverlusts und den Beschwerlichkeiten der Flucht eröffnen sich vielleicht auch ihnen neue Chancen in einer modernen Gesellschaft, die Frauen achtsamer und gerechter begegnet.

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