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Ein verantwortungsvoller Schriftsteller ist einer, der sein Leben mit Lauschen verbringt

„Ein verantwortungsvoller Schriftsteller ist einer, der sein Leben mit Lauschen verbringt“: Die französische Autorin Belinda Cannone über Gewalt, Musik und die Verantwortung der Kunst

Frau Cannone, die beiden Hauptfiguren Ihres Romans, der Toningenieur Jodel und das Mädchen Jeanne, verfügen über die besondere Eigenschaft der Hyperakusis. Wie ist Ihnen die Idee kommen, diese Eigenart ins Zentrum eines Romans zu stellen?

Belinda Cannone: Hyperakusis ist eigentlich eine Krankheit, die sich zeigt, wenn das Gehör eines Menschen beschädigt wurde. In meinem Roman habe ich mir vorgestellt, es handele sich dabei um ein Phänomen, das bereits mit der Geburt vorhanden ist, eine Art „Hypergehör“, dessen Potenzial man meistern kann, wenn man nur daran arbeitet. Warum diese Vorstellung? Nun, mir schien, dass dieser Zustand, zu viel zu hören, im Grunde uns alle betrifft: Die Welt dringt als enormer, verworrener Lärm zu uns, ein Lärm, der uns häufig verletzt. Nachrichten zu hören, ist eine Belastungsprobe, da es beinahe jeden Tag unerträgliche Neuigkeiten gibt. In meinem Roman verkörpern die Figuren die Wunschvorstellung von einem übersteigerten Hörvermögen, das sich … bändigen lässt. Gut, sagt Jodel zu Jeanne, dem Mädchen, wir hören zu viel und das schadet uns, aber wir werden lernen, dieses Rumoren zu zähmen, es uns zu eigen zu machen, um es ertragen zu können.

Überforderung angesichts all der Gewalt, die unsere Welt produziert, bildet eins der Zentren des Buches. Ist das genaue Hinhören auch ein Bild für unsere Verantwortung und ganz besonders für die Verantwortung der Künstler?

Belinda Cannone: Genau. Ich bin weit davon entfernt, Literatur als „Ausdruck des Ich“ zu begreifen, ich verteidige die Vorstellung von der Literatur als Möglichkeit, die Welt zu befragen – und dafür muss man der Welt erst einmal genau zuhören. Ein verantwortungsvoller Schriftsteller (der sich also nicht damit begnügt zu unterhalten) ist einer, der sein Leben mit Lauschen verbringt, der das Lärmen der Welt aufnimmt, um es zu übersetzen. Also eine Art Profi-Hyperakustiker wie Jodel. Man könnte auch sagen, seine Aufgabe ist es, ein „öffentlicher Schreiber“ zu sein, der Worte für eine Erfahrung findet, die zwar allen Menschen gemein ist, aber unausgesprochen bleibt. Man könnte auch sagen, dass die Literatur eine Art Echokammer ist, dank derer die Gesellschaft „sich selbst reflektiert“, im doppelten Sinne des Wortes.

Jodel verliebt sich in eine Komponistin, ein weiteres zentrales Element des Romans – die Musik. Kann sie Rettung bieten? Welche Rolle spielt sie für Sie – im Buch und auch persönlich?

Belinda Cannone: Ich persönlich bin eine große Musikliebhaberin. Dank der Musik können wir uns über unseren Alltag erheben, über alles, was wir nicht in der Hand haben, sie gibt uns einen weiteren, einen höheren Atem. Jedes Mal, wenn die Musik uns packt, ist das ein kleines Wunder: All die Mühen und Nöte, die uns gerade noch gequält haben, lösen sich plötzlich auf und wir können unserem Ich leichter entkommen. Im Roman steht die Musik für die Kunst im Allgemeinen. Während die Probleme der Figuren mit dem Lärm und seiner Brutalität zusammenhängen, ist die Komponistin diejenige, die mit den Klängen arbeitet, die dort Ordnung und Schönheit hineinbringt. Dieses Bild umfasst auch das, was der Schriftsteller mit den Worten und den Ideen bewerkstelligt: Er bringt Ordnung (also einen begreifenden Zugang, Kohärenz) und Schönheit in das Durcheinander unserer Welt und unseres Lebens.

Jodel, der zurückgezogene Einzelgänger, lernt Ulan kennen, einen russischen Vagabunden, der in einer Gemeinschaft von Außenseitern lebt. Ist Jodel von ihm angezogen, weil Ulan tatsächlich mit dem „schönen Schein“ gebrochen hat? Was ist es, das die beiden verbindet?

Belinda Cannone: Weil er Kriminaltechniker ist, und auch wegen seiner Hyperakusis, die ihn dazu zwingt, sich vor der Welt zu schützen, ist Jodel ein wenig vorsichtig und zurückhaltend – aber auch sympathisch. Ulan hingegen ist ein freies Elektron, ein Mann, der weder Grenzen noch Gesetze kennt, ein Sinnbild unserer deterritorialisierten Welt, in der sich die früheren Bindungen gelöst haben. Er hat auch etwas Angeberisches an sich, spielt den Rebellen, während Jodel ernsthafter und auch empathischer ist. Und Ulan trägt Wut in sich, er verkörpert eine Art von ungeordnetem Protest, eine Verweigerung, die nicht ohne Charme, aber vermutlich auch nicht sehr wirksam ist. Es handelt sich hier um zwei komplementäre Figuren, vielleicht auch um zwei verschiedene Arten von Männlichkeit.

Belinda Cannones Roman Vom Rauschen und Rumoren der Welt (aus dem Französischen übertragen von Claudia Steinitz und Tobias Scheffel, ISBN 978-3-9819763-4-2, Edition Converso 2020) wurde als Hörspiel adaptiert: nachzuhören auf der Website des WDR



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